«

»

Tageszeitung „Eleftheria“ der Region Epirus 16.10.2013

IMG_0142

 

Geschichtsunterricht mittels freiwilliger Arbeit
Im Rahmen eines Praktikums haben 13 deutsche Auszubildende, die in Begleitung von 2 Pädagogen*innen über 2 Wochen in Griechenland sind, die Möglichkeit freiwillig ihre Arbeiten in Griechenland durchzuführen.
Durch den bedeutsamen Beitrag des deutschen Konsulats und in Zusammenarbeit mit dem Gemeinnützigen Verein kultureller Bildung in Gelsenkirchen erweist sich die Arbeit als äußerst fruchtbar und es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass mittels dieses Prozesses Griechenland auch neue Freundschaften schließt.

Die Auszubildenden wurden vor der Anreise ausführlich über die Geschichte der Stadt Ioannina und der Umgebung informiert. Außerdem war der erste Halt ihres fünfzehntätigen Aufenthaltes in Griechenland auch die Gedenkstätte in Lingiades, wo die Auszubildenden einen Kranz für die Opfer hinterlegt haben, die dort durch die deutsche Wehrmacht ums Leben kamen.

In den letzten Tagen führen die Auszubildenden Reinigungs- und Gartenarbeiten im jüdischen Friedhof und der Synagoge in Ioannina durch.
Die „Eleftheria“ hat die Auszubildenden gestern in der Synagoge getroffen und hatte die Möglichkeit Interviews zu führen, um Näheres zu ihren Eindrücken und auch zu aktuellen Themen, wie zu den Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland, zu der Meinung der Deutschen Bürger bezüglich der finanziellen Krise in Griechenland aber auch zu der Zunahme des Rechtsextremismus in Europa zu erfahren.
Einer der Pädagogen hat dabei zunächst betont, dass das Programm, an dem sie teilnehmen, besonders bedeutsam ist, weil es den Kontakt deutscher Jugendlicher zu Jugendlichen aus anderen Ländern und auch zu der Geschichte der jeweiligen Länder ermöglicht.

„Als Europäische Bürger haben wir die gleichen Probleme und die Möglichkeit gemeinsam dagegen vorzugehen“, betonte der Pädagoge anfangs und sprach daraufhin über die Probleme, die die Krise hervorgerufen hat. „Die Griechen haben keinen guten Eindruck von den Deutschen, aber ich glaube, dass das eher die Politiker betrifft und nicht die Bürger, die anders als die Politiker denken“, sagte er und fügte hinzu, dass der Aufstieg Rechtextremistischer Gruppen ein Phänomen ist, dass in allen Ländern, die durch die finanzielle Krise betroffen sind, wiederzufinden ist.

Von seiner Seite aus betonte Steffen, einer der Auszubildenden, die Chance, die Jugendliche in seinem Alter haben durch solche Initiativen ihr Wissen und ihren Horizont zu erweitern. „Es ist eine unglaubliche Erfahrung, in anderen Ländern zu arbeiten, den Menschen zu begegnen und mehr über ihre Geschichte zu erfahren. Heutzutage wissen viele Jugendliche nichts über die Vergangenheit oder sie interessieren sich gar nicht dafür, etwas über die Geschichte zu erfahren. Vor unserer Anreise haben wir viel gelesen und wissen, was die Griechen in der Vergangenheit aufgrund der Deutschen Wehrmacht erleiden mussten. Die Jugendlichen interessieren sich, aber wenn sie niemand darüber aufklärt, werden sie solche Sachen auch nie erfahren“, sagte er, um sein Verständnis bezüglich der Abneigung der Griechen gegenüber den Deutschen zu äußern.

 

Schließlich betonte er, dass das Phänomen des Nationalsozialismus die Beziehungen zwischen den Menschen beeinflusst und dass die Nostalgiker dieser Ideologie nicht wissen, was sie tun.
„Sie unterstützen die Ideologie aus krankhaften Gründen. Der Rassismus ist auch in Deutschland weit ausgebreitet und es gibt Gewalt ohne Ende. Irgendwann müssen wir dem aber ein Ende setzen“, sagte er charakteristisch dazu.